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Bericht Bordairline Radsberg

veröffentlicht um 07.05.2013, 01:59 von Soaringclub Praebichl   [ aktualisiert: 07.05.2013, 02:00 ]

Auf der Suche nach dem Wendepunkt am Limit - 33 Stunden zu Fuß und mit dem Paragleiter

Unsere Terminkalender sagen uns was in den nächsten Stunden passieren wird, müssen wir von A nach B setzen wir uns ins Auto, sind wir müde legen wir uns zu Hause auf die Couch oder ins Bett - was aber, wenn wir für 33 Stunden auf all diese Bequemlichkeiten verzichten müssen? Es ergibt sich eines der letzten Abenteuer, das wir bei uns in der heutigen Welt noch erleben können!

Die Regeln der Abenteuerrennen "Bordairline" sind denkbar einfach: Es gilt in 33 Stunden nur zu Fuß und mit dem Paragleiter fliegend möglichst weit weg vom Startpunkt UND wieder zurück zu kommen. Es gewinnt der Teilnehmer, dessen Wendepunkt den größten Abstand Luftlinie vom Startpunkt hat. Die Minimalausrüstung, bestehend aus Gleitschirm, Gurtzeug, Rettungsschirm und Helm muss dabei stets mitgetragen werden. Dadurch müssen die Aufstiege auf Berge und Laufstrecken von teilweise über 100 km mit rund 15 kg am Rücken bewältigt werden. Unterstützt werden kann jeder Teilnehmer von einem Supporter, der sich um die Essensversorgung, Schlafplatz, Wettervorhersagen und viele andere Kleinigkeiten kümmert.

Wir, Manfred Koppatz und Thomas Leitner mit unserem Supporter Ingolf Kircher, allesamt Mitglieder des Soaring Clubs Präbichl, stellten uns vom 3. bis 4. Mai erneut dieser Aufgabe, dieses Mal mit dem Ausgangspunkt Radsberg in Kärnten. Am Freitag starteten wir um 08:00 mit einem "Aufwärmlauf" von 20 km und 1400 Höhenmetern auf das Ferlacher Horn. Oben angekommen erwarteten uns gute Startbedingungen - leider stellte sich in der Luft das Wetter als nicht ganz ideal heraus. Wir konnten zwar durch geschicktes Ausnützen von Aufwinden weiter Richtung Westen fliegen, jedoch gestaltete sich dies durch starken Gegenwind als sehr schwierig. Gemeinsam mit anderen Top-Piloten mussten wir nach bis zu 3 stündigen Kämpfen in der Luft aufgeben und nach der Landung bei Feistritz im Rosental zu Fuß weitermarschieren. Ohne viele Höhenmeter machen zu müssen folgten wir der Drau und kamen um 11:00 in der Nacht am Fuße des Dobratsch bei Villach an. Von einer Nachtruhe waren wir hier jedoch noch 1600 Höhenmeter und 15 km entfernt, wollten wir uns doch in eine gute Position begeben, um gleich bei Sonnenaufgang unseren Weg zurück Richtung Osten antreten zu können. Nach einem beschwerlichen nächtlichen Aufstieg erreichten wir den Gipfel gerade rechtzeitig um uns eine Ruhepause von 30 Minuten gönnen zu können. Leider waren bei Sonnenaufgang die Windbedingungen nicht ideal, wir waren uns jedoch einig, dass es fliegbar ist und versuchten unser Glück. Nach einigen Schwierigkeiten unseren Schirm in sehr turbulenter Luft stabil zu halten, konnten wir danach bei leichtem Regen einen Sonnenaufgangsflug bis nach Faak am See genießen - schöner kann ein Samstagmorgen nicht sein!
Gelandet um 06:00 begannen wir zu rechnen, ob wir bis zum Bewerbsende um 17:00 das Ziel erreichen können: verbleibende 55 Gehkilometer müssten in 11 Stunden zurückgelegt werden, ergibt einen Schnitt von 5 km/h - das wird schwierig. Kilometer für Kilometer kämpften wir uns zurück in Richtung Radsberg. Nach gut 75 km und 3200 Höhenmeter gelaufener Strecke werden selbst anfänglich harmlos wirkende Wehwehchen immer mehr zur Qual und es wird immer schwierig den 5 km/h Schnitt zu halten. Die langen Geraden des Drauradwegs scheinen endlos und immer größer wird die Verlockung mehr Pausen einzulegen. Immer wieder werden wir von unserem Supporter mit Essen und Getränken versorgt, um wieder neue Kraft zu schöpfen. Wir schaffen es sogar etwas Zeit gut zu machen und haben zwei Stunden vor Schluss noch 8km vor uns - das Ziel ist in greifbarer Nähe! Durch das Mobilisieren unserer letzten Kräfte erreichen wir nur einige Minuten vor Bewerbsende das Ziel! Geschafft - wir haben unseren Wendepunkt dieses Mal wirklich am Limit gesetzt!

Das Ergebnis unserer Mühen kann sich sehen lassen: 114 gelaufene Kilometer (entspricht der Strecke Leoben - Wiener Neustadt), ca. 3200 Höhenmeter im Aufstieg und 30 geflogene Kilometer. Wir erreichen damit unter den 30 Teilnehmern Platz 4 und 5 und lassen damit sogar zwei X-Alps Teilnehmer, also Profi-Piloten, hinter uns. 

Jetzt gönnen wir uns ein paar Tage Pause, dann wird bereits wieder für das nächste Bordairline trainiert, dieses Mal mit Heimvorteil: Bordairline am Präbichl, 21. - 22. Juni